Beschreibung
Im Jahreskreis mit der Natur – so war es damals
Bevor unsere Kalender die Tage in starr festgelegte Zahlen zwangen, lebten die Germanen und Nordgermanen im Einklang mit der Natur. Ihr Jahr war kein abstraktes Konstrukt, sondern ein lebendiger Zyklus aus Licht, Dunkelheit, Wachstum und Ruhe.
Der Rhythmus der Natur bestimmte das Leben
Die Menschen orientierten sich an:
· Sonnenstand – Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden markierten Wendepunkte im Jahr
· Mondphasen – Beginn und Ende der Monate, Feste und Rituale
· Jahreszeiten – Aussaat, Ernte, Jagd, Winterruhe
So entstand ein natürlicher Jahreskreis, in dem jeder Abschnitt eine besondere Bedeutung hatte und eng mit Festen, Bräuchen und Göttern verbunden war.
Die großen Feste im Jahreskreis
1. Ostara (Frühlingstagundnachtgleiche)
· Neubeginn, Licht, Fruchtbarkeit
· Bräuche: Eier, Hasen, Frühlingsopfer
2. Midsommar / Litha (Sommersonnenwende)
· Höhepunkt der Sonne, Wachstum und Kraft
· Bräuche: Sonnwendfeuer, Tänze, Lieder
3. Lammas / Erntedankzeit (August)
· Dank für die Ernte, Gemeinschaft, Nahrungssicherung
· Bräuche: Ernteopfer, Festmahle
4. Mabon / Herbsttagundnachtgleiche
· Balance von Licht und Dunkelheit, Vorbereitung auf den Winter
· Bräuche: Einkehr, Lagerfeuer, Ahnenrituale
5. Jul (Wintersonnenwende)
· Geburt der Sonne, Rückkehr des Lichts
· Bräuche: Feuer, Speisen, Geschenke, Ahnenverehrung
Zwischen diesen großen Festen gab es kleinere Mond- und Jahreszeitfeste, die das Alltagsleben strukturierten und zugleich die Verbundenheit mit der Natur feierten.
Leben im Einklang – keine feste Zeit
Die Germanen kannten keine starren Monatsdaten wie wir heute. Feste wurden nach Naturphänomenen und Mondphasen bestimmt. Ein Tag, ein Monat oder ein Fest war dynamisch, abhängig vom Licht, dem Wetter und der Landwirtschaft.
· Aussaat begann, wenn die Erde warm war
· Ernte wurde gefeiert, sobald das Korn reif war
· Rituale für Ahnen und Götter passten sich den Zyklen von Sonne und Mond an
Warum das heute noch wichtig ist
Auch wenn wir moderne Kalender haben, können wir vom alten Jahreskreis lernen:
· Bewusstsein für Natur und Jahreszeiten
· Rhythmus im Alltag, der Körper und Seele gut tut
· Feste und Rituale, die Lebensfreude und Gemeinschaft stärken
Die alten Bräuche leben in veränderter Form weiter – sei es in Sonnenwendfeuern, Ostereiern oder Julbäumen – und erinnern uns daran, dass wir Teil eines größeren Zyklus sind.
Der Jahreskreis der Germanen zeigt: Leben im Einklang mit der Natur war nicht nur Alltag, sondern Lebenskunst. Heute können wir diese Weisheit wiederentdecken, indem wir den Rhythmus der Natur achten, Feste bewusst feiern und uns an den alten Bräuchen orientieren – sei es mit Runen, Gedichten oder nordischen Ritualen.