Körperpflege der Germanen – Reinlichkeit, Kräuterwissen und natürliche Schönheit

Körperpflege der Germanen – Reinlichkeit, Kräuterwissen und natürliche Schönheit

 

Wenn man an die frühen germanischen Stämme denkt, stellen sich viele Menschen wilde Krieger mit verfilzten Haaren und schmutziger Kleidung vor. Doch dieses Bild ist ein Mythos. Tatsächlich waren die Germanen für ihre Zeit überdurchschnittlich gepflegt, nutzten Kräuter- und Naturwissen geschickt aus und legten Wert auf sauberes Haar, gepflegte Bärte und ordentliche Kleidung.

 

Dieser Beitrag führt dich durch die wichtigsten Bereiche der germanischen Körperpflege.

 

1. Baden & Körperreinigung

Die Germanen hatten keine großen Badehäuser wie die Römer, doch sie wussten sich gut zu helfen.

Wie wuschen sie sich?

·         Man badete in Flüssen, Seen oder Quellen – besonders im Sommer fast täglich.

·         Im Winter nutzte man erwärmtes Wasser in hölzernen Bottichen.

·         Als Reinigungsmittel diente Aschelauge (aus Holzasche und Wasser), das leicht alkalisch war und wie eine frühe Seifenform wirkte.

·         Zusätzlich verwendete man Sand, Lehm oder Ton, um Fett und Schmutz von der Haut zu lösen.

Kräuter für die Hautpflege

Germanische Stämme waren Kräuterexperten. Für die Reinigung, Heilkunde und für gute Gerüche nutzten sie unter anderem:

·         Beifuß – reinigend, schützt vor „bösem Einfluss“

·         Thymian – für frischen Duft, antiseptisch

·         Salbei – schweißhemmend, antibakteriell

·         Kamille – beruhigend

·         Birkenblätter – für Haar und Haut, leicht reinigend

Oft wurden diese Kräuter zu Abkochungen verarbeitet und dem Badewasser beigefügt oder direkt auf die Haut aufgetragen.

2. Haar- und Bartpflege

Die Germanen waren stolz auf ihr Haar – für Männer wie für Frauen war es ein Zeichen von Kraft, Würde und Identität.

Haare:

·         Frauen trugen meist lange, geflochtene Haare, gerne mit Bändern oder Perlen.

·         Männer hielten ihr Haar oft schulterlang oder kürzer, je nach Stamm.

·         Viele nutzten Tierfett, Pflanzenöle oder Birkensaft, um das Haar geschmeidig zu halten.

Kämme aus Holz, Geweih oder Knochen sind zahlreich archäologisch belegt – ein klares Zeichen regelmäßiger Pflege.

Bärte:

·         Bärte wurden gekämmt, geflochten oder geölt.

·         Bartpflegeöle bestanden vermutlich aus Tierfett, Bärenfett, Pflanzenöl und Kräutern wie Thymian oder Wacholder.

Ein ungepflegter Bart galt als Zeichen mangelnder Ehre.

3. Körperhaare & Hygiene

Es gibt Funde, die darauf hinweisen, dass Germanen Rasiermesser und Pinzetten nutzten.

Damit wurden:

·         Gesichtshärchen entfernt

·         Brauen geformt

·         Störende Körperhaare beseitigt

Pflege war also alltäglicher, als viele heute glauben.

4. Zahnpflege

Auch hier waren die Germanen erfinderisch.

Zahnpflege bestand aus:

·         Kauen von aromatischen Hölzern (z. B. Birke, Wacholder)

·         Zahnstocher aus Holz oder Knochen

·         gelegentlichem Ausreiben der Zähne mit Asche oder Kräutern

Kräuter wie Minze, Kümmel und Fenchel wurden zur Atemerfrischung gekaut.

Durch die vergleichsweise zuckerarme Ernährung waren die Zähne vieler Germanen recht robust.

5. Düfte & Parfüm

Überraschend, aber ja:

Die Germanen nutzten duftende Kräuter, Harze und Öle, um gut zu riechen.

Beliebt waren:

Wacholderrauch (zur Reinigung und für Duft)

·         Kiefernharz

·         Fichtenharz

·         Beifuß und Thymian

·         Myrte (über Handel erhalten)

Es gab also einfache, natürliche Formen von Parfüm und Deodorant.

6. Pflege & Reinigung der Kleidung

Saubere Kleidung war wichtig – auch als Zeichen der Ehre.

Gewaschen wurde mit:

·         Aschelauge

·         warmem Wasser

·         Kräuterzugaben (besonders Thymian, Birke, Salbei)

 

Wie hielt man Wolle und Leinen in Form?

·         Wolle wurde mit Karden (Pflanzenkämmen) aufgeraut und geglättet.

·         Kleidung wurde getrocknet, im Rauch gehängt (geruchs- und schutzwirksam) oder an der Sonne gelüftet.

Der typische Rauchgeruch war damals normal – eine Mischung aus Schutz, Reinheit und Alltag.

7. Schmuck & Erscheinung

Zum gepflegten Aussehen gehörten:

·         Fibeln

·         Arm- und Halsringe

·         Perlen

·         Haarnadeln

 

Die Germanen legten Wert auf ein aufgeräumtes, ordentliches Äußeres – nicht zuletzt, weil es Stärke und Ehre symbolisierte.

Die Germanen waren sauberer, gepflegter und naturkundiger, als viele Menschen heute vermuten. Ihre Körperpflege beruhte auf:

·         Kräuterwissen

·         Naturmaterialien

·         sorgsamer Haar- und Bartpflege

·         sauberer Kleidung

·         regelmäßigen Waschritualen

Ihre Art der Pflege war einfach, aber wirkungsvoll – und vieles davon könnten wir heute problemlos wieder anwenden.