Vom germanischen 13-Monatskalender zum heutigen Kalender
Wusstest du, dass unsere Vorfahren einen anderen Rhythmus der Zeit hatten als wir heute? Bevor der gregorianische Kalender eingeführt wurde, orientierten sich die Germanen und viele andere Kulturen an Mondphasen, Naturzyklen und Jahreszeiten.
Der 13-Monatskalender der Germanen
Die Germanen nutzten einen lunisolaren Kalender, der sowohl Mondphasen als auch Sonnenzyklen berücksichtigte.
· 13 Monate pro Jahr – jeder Monat begann mit dem Neumond.
· Jeder Monat war 29 oder 30 Tage lang, was ungefähr dem Zyklus des Mondes entspricht.
· Ein zusätzlicher „Schaltmonat“ wurde gelegentlich eingefügt, um Sonnen- und Mondjahr in Einklang zu bringen.
· Die Monate hatten oft Namen, die mit Natur, Landwirtschaft oder Göttern zu tun hatten, z. B. Monate für Aussaat, Ernte, Jagd oder Winterruhe.
Dieser Kalender war praktisch, naturverbunden und eng mit den Festen der Germanen verbunden, wie Ostara, Midsommar oder Jul.
Unterschiede zum heutigen Kalender
Heute nutzen wir den gregorianischen Kalender, der:
· 12 Monate hat, festgelegt mit konstanten Längen (28–31 Tage)
· den Sonnenzyklus als Grundlage nimmt, nicht den Mond
· den Jahresanfang auf den 1. Januar festlegt, während die Germanen oft den Frühlings- oder Winteranfang als Jahresbeginn wählten
Wichtige Unterschiede:
· Der germanische Kalender war beweglicher und naturabhängig, unser Kalender ist starr und astronomisch standardisiert.
· Viele germanische Feste hatten daher kein fixes Datum, sondern orientierten sich an Mondphasen oder Tagundnachtgleichen, z. B. Ostara.
Warum der Wechsel?
Der Wandel hin zum heutigen Kalender erfolgte aus mehreren Gründen:
1. Christianisierung: Die Kirche wollte heidnische Bräuche ersetzen und Feste auf christliche Daten legen, wie Weihnachten oder Ostern.
2. Verwaltung und Steuern: Ein fester Kalender erleichterte Steuereintreibung, Amtsgeschäfte und Verwaltungsplanung.
3. Handel: Einheitliche Daten machten den überregionalen Handel einfacher und berechenbarer.
Doch das germanische Volk wehrte sich vehement gegen die Zerstörung ihrer Kultur, Bräuche und Feste. Darum kam es zu Verwässerungen, Umbenennungen und Mischformen: Alte heidnische Feste wurden teilweise christianisiert, viele Namen und Bräuche blieben erhalten, aber oft anders interpretiert.
Trotzdem lebt der alte Rhythmus der Natur noch heute in unseren Festen, Traditionen und Symbolen weiter.
Der germanische 13-Monatskalender zeigt, dass unsere Vorfahren eng mit der Natur lebten, ihre Zeit nach Mond und Sonne maßen und Feste intuitiv feierten. Der heutige Kalender brachte Ordnung, Verwaltung und Religion, doch der Widerstand des Volkes und die Anpassung der Bräuche sorgen dafür, dass die alten Rhythmen in subtiler Form bis heute spürbar bleiben.